|
Terrapene carolina bauri
Beschreibung
Die Terrapene carolina bauri oder Florida-Dosenschildkröte ist meiner Meinung nach eine
der schönsten und pflegeleichtesten Terrapene. Sie hat einen sehr hochgewölbten
Rückenpanzer, der vorne schmal ist, nach hinten breiter ausläuft und über
den sich ein gelber Mittelkiel hinzieht. Der Carapax ist dunkelgrau bis schwarz mit einer
wunderschönen gelben Strahlenzeichnung. Diese Strahlen können sehr variieren,
von hauchdünn wie marmoriert bis "balkendick". Der Plastron ist in der Regel
einfarbig hell, hornfarbig. Der Kopf ist meist schwarz und sehr klein, fast zart, mit großen
oft dunklen Augen. Von den Augen bis zum Hals ziehen sich ein oder zwei gelbe Streifen. An
den Hinterfüßen befinden sich in der Regel drei Krallen. Die Männchen sind
meist größer als die Weibchen, haben eine ausgeprägte Delle im Bauchpanzer
und einen recht dicken Schwanz.
Seitenanfang
Haltung
Die Tiere werden bei mir von Mitte September bis Ende Juni in meinem Wintergarten gehalten,
nur in den restlichen warmen Sommermonaten - nach der Eiablage - kommen sie ins
Außengehege.
Der Wintergarten hat zwei Ebenen und auf der oberen, sonnigeren und wärmeren Ebene
befindet sich das Gehege der bauris. Es ist ca. 3qm groß und mit Wurzeln, Korkrinden und
Moos sehr stark struktuiert. Die bauris sind Sonnenanbeter, keine andere Art der Terrapene sonnt
sich so ausgiebig wie sie. Hierbei strecken sie die Vorderfüße nach vorne, die
Hinterfüße nach hinten in die Luft und sonnen sich so stundenlang. Außerdem
haben sie die Angewohnheit immer auf erhöhten Plätzen zu sitzen, sie vergraben sich
eigentlich nur nachts.
Im Winter heize ich mit einem Umluftheizer, der Luft und Boden nicht austrocknet. Im Sommer wie
im Winter befinden sich zwei HQI-Leuchten über ihren Lieblingswurzeln. So betragen die
Temperaturen im Sommer 35-38 Grad, im Winter 15 bis 18 Grad in der Kaltzone, in der Warmzone
18 bis 25 Grad. Dies bedeutet, daß sich die Tiere im Winter die Temperaturen selbst aussuchen
können.
Ich achte immer darauf, daß den Tieren sowohl im Sommer als auch im Winter trockene,
feuchte und sehr feuchte Plätze zur Verfügung stehen. Der Bodengrund besteht aus
Walderde, Sand, Pinienerde und bemoosten Stellen. Es wird täglich gesprüht, um eine
ausreichende Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, während der Eiablage, von März
bis Juni, sogar bis zu 5mal am Tag.
Seitenanfang
Fütterung
Die Tiere können sich selbst versorgen, da sie in ihrem Gehege Kellerasseln, Spinnentiere,
Käfer und vor allem Heimchen, aber auch Würmer und Schnecken finden. Alle diese
Futtertiere vermehren sich selbständig und werden nicht mehr eingesetzt. Zusätzlich
werden die Tiere täglich mit Löwenzahn oder Romanasalat, ab und zu auch Endiviensalat,
gefüttert, wobei dieses Grünfutter in etwa die Hälfte ihrer Nahrung ausmacht. Im
Mai/Juni lasse ich die ganze Nacht über eine einfache Glühbirne brennen, an der sich dann
viele Insekten, vor allem Käfer sammeln, welche die bauris am nächsten morgen fressen
können. Das Lieblingsfutter meiner Tiere sind Babymäuse, die insbesondere die Weibchen
auch täglich bekommen. Zweimal im Monat bekommen die Tiere auch den sogenannten
Schildkrötenpudding. An Obst verfüttere ich alle Arten von unseren heimischen Beeren,
hingegen Äpfel und Bananen äußerst selten. Bei diesem abwechslungsreichen
Futterangebot kann ich auf zusätzliche Mineralien oder Vitamine bei der Fütterung
verzichten.
Seitenanfang
Paarung
Eine ganzjährige Geschlechtertrennung ist einer der wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche
Zucht, denn man erspart den Tieren damit Streß und Aggressionen.
Aber in diesem Fall muß ich eine Ausnahme eingestehen. Es ist nicht möglich, einen der
Männer von seinen beiden Weibchen zu trennen, weil er dann einfach nicht mehr frißt. Ich
muß zugeben, daß er mehr Ausdauer und bessere Nerven hat als ich, und so ist er der einzige
Mann, der ganzjährig mit seinen Weibchen zusammen lebt. Da den Tieren aber viel Platz zur
Verfügung steht und der Mann ein sehr ruhiger Vertreter ist und ich in den ganzen Jahren erst eine
Paarung beobachten konnte, denke ich, daß diese Ausnahme zu vertreten ist.
In der Regel legen beide Weibchen fünf Gelege, das eine immer zwei, das andere bis zu sechs Eiern,
aber oft sind ein oder zwei dieser Eier unbefruchtet. Der Abstand zwischen den Gelegen betragt meist nur
14 Tage.
Seitenanfang
Eiablage
Meine Weibchen haben von Anfang an den Eiablageplatz angenommen. Er besteht hauptsächlich aus
feuchtem Sand mit etwas Erde gemischt. Beide legen immer an genau der gleichen Stelle ihre Eier ab, ohne
Probegrabungen. Sind sie gleichzeitig schwanger, wartet das rangtiefere Weibchen bis das
ranghöhere fertig ist und legt meist kurz darauf seine Eier an die gleiche Stelle, bisher ohne die Eier
der anderen zu zerstören.
Im Terrarium die richtige Stelle zu finden ist für das Tier oft schwieriger und erfordert auch vom
jeweiligen Halter ein gewisses Fingerspitzengefühl. Der Eiablageplatz hier sollte mindestens 20cm hoch
sein und aus einem Erde-Sand-Gemisch bestehen, zusätzlich die richtige Feuchtigkeit besitzen und an
der richtigen Stelle im Terrarium sein. Ich forme ihn meist als leicht abgeflachten Hügel, habe ihn aber
auch schon 5 - 6 mal verschieben müssen, bis dem Weibchen die Stelle genehm war und es ihn
angenommen hat.
Die Eiablage erfolgt meist ab 15 Uhr und geht in der Regel sehr schnell. Der Rekord liegt bei einer halben Stunde.
Dabei sollte man das Tier auf keinen Fall stören. Das Weibchen gräbt nun ein kleines Loch, in
das es seine Eier legt. Dabei benutzt es seine Hinterbeine wie Schaufeln. Anschließend zieht es mit
ihnen weite Kreise, um den aufgeworfenen Sand auf die Eier zu geben. Zum Schluß festigt es das
ganze mit kreisenden Bewegungen, bis sich die Stelle nicht mal mehr erahnen läßt. Ich habe
auch schon Tiere beobachtet, die sich immer wieder zum Glätten und Festigen der Stelle über
dieser hoch stellten und sich dann richtig "darauf knallen" ließen.
Seitenanfang
Inkubation
Die Eier sollten nun möglichst schnell ausgegraben werden, denn wenn man bis zum nächsten Morgen
wartet, besteht die Gefahr, daß die Eier entweder austrocknen oder daß sich schon ein Keimling
gebildet hat, der sich beim Ausgraben verdrehen könnte. Ich inkubiere die Eier in Heimchendosen mit
feuchtem Vermiculite im Verhältnis 1:1. Die Dosen kommen nun in einen Brüter nach Budde, die
Wassertemperatur liegt zwischen 30 und 32 Grad. Nach 36 bis 40 Tagen stelle ich die Dosen in eine
"Jäger-Kunstglucke", damit das Substrat etwas abtrocknen kann. Der Schlupf erfolgt nach
48 bis 65 Tagen. Meist öffnen die Kleinen das Ei am Eipol und verlassen das Ei dann nach wenigen Stunden.
Seitenanfang
Aufzucht der Jungtiere
Die Schlüpflinge kommen zunächst in kleine Gefäße mit feuchtem
Küchenpapier, bis der Dottersack ganz eingezogen ist. Dann setze ich sie in kleine Aufzuchtbecken
mit Pinienerde und Moos. Diese Aufzuchtbecken stehen bei mir in einem geschlossenem Terrarium, zum
einen schützt dies vor Zugluft, zum anderen gewährleistet dies eine gleichbleibend hohe
Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit. Die Aufzuchtbecken werden mindestens einmal täglich mit
warmen Wasser übersprüht, dabei ist zu beachten, daß es auch trockene Stellen gibt,
auf denen sich die Babys ganz trocknen können. Kleine Spotstrahler oder Halogenlämpchen
dürfen auf keinen Fall fehlen, wichtig sind auch mehrere Badeschälchen. Die Tagestemperaturen
liegen zwischen 28 und 38 Grad, nachts fallen die Temperaturen auf 20 Grad zurück.
Sobald es die Witterung erlaubt, bringe ich die Kleinen nach draußen in die Sonne, denn die
natürlichen UV-Strahlen sind extrem wichtig für die Gesundheit und gutes Wachstum. Die
Kleinsten kommen in mit Erde und Sand gefüllte Plastikwannen, die größeren in kleine,
ausbruchssichere Gehege. Natürlich müssen den Tieren genügend Schattenplätze
zur Verfügung stehen und man muß darauf achten, daß sich die Wannen nicht zu sehr
aufheizen. Auch die Gefahr, die von Vögeln, Katzen oder Mardern ausgehen könnte, sollte man
bedenken und darum immer engmaschige Netze über die Wannen oder Gehege spannen.
Die Aufzucht der kleinen bauris ist weitaus einfacher als die der anderen Terrapene. Sie sind kaum
streßempfindlich, so daß man problemlos mehrere Tiere zusammenhalten kann. Im Gegenteil,
durch Futterneid kann man sie recht schnell an jedes Futter gewöhnen. Schon nach einer Woche
betteln die Kleinen um Futter und fressen schon bald halbe Babymäuse. Hauptsächlich bekommen sie
natürlich Kellerasseln, kleine Würmer und Schnecken. Auch Grünfutter wie
Löwenzahn und Romanasalat sollten von Anfang an angeboten werden, auch dies fressen sie
spätestens nach einer Woche problemlos.
Von Rinderherz, Mehlwürmern oder Wachsmaden rate ich ab, denn dieses Futter ist zwar bequem,
aber viel zu fett und Mehlwürmer fressen sogar die Babys an! Besser ist Beo-Futter, denn es
enthält getrocknete Insekten, Beeren und Haferflocken und wird von den Tieren gerne angenommen,
wenn im Winter mal das Lebensfutter ausgehen sollte. Ein weiteres "Notfall-Futter" ist auch Sera
Raffy P, aber öfter als 2mal im Monat sollte es nicht verfüttert werden.
Im November/Dezember graben sich die Jungtiere oftmals über mehrere Wochen selbst ein. Dann
sollten die Temperaturen auf 15-20 Grad gesenkt werden und die Tiere nicht mehr gestört werden.
Es ist grundsätzlich stressig für die Tiere, wenn man sie immer wieder ausgräbt, um
sicher zu gehen, daß sie in Ordnung sind. Anfänger machen diesen Fehler oft, sie sollten mehr
Geduld haben, denn wenn die Tiere Hunger haben, kommen sie von selbst. Wenn man all diese
Ratschläge befolgt, wird man feststellen, daß die Tiere zwar langsam, aber glatt und hoch wie
in der Natur wachsen.
Und noch eine Anmerkung an dieser Stelle: Da ich mich nur ganz schwer von meinen bauri-Babys trennen
kann, sind es mittlerweile über 20 Nachzuchten, die ich großziehe, aber noch nie hat mir eines
der Tiere Probleme gemacht und noch kein eines ist gestorben. Das ist sicher kein Zufall, sondern spricht
für die Stabilität dieser Tiere. Das kann ich von den anderen Arten nicht behaupten. Es passiert
zwar selten, aber ab und zu schon. Aus diesem Grund halte ich es nicht für richtig, Tiere unter einem
Jahr abzugeben.
Seitenanfang
|