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Terrapene coahuila
Beschreibung
Die Terrapene coahuila oder fälschlicherweise auch Wasser-Dosenschildkröte genannt, ist
meiner Meinung nach die robusteste, pflegeleichteste und interessanteste Dosenschildkröte. Die
ersten Exemplare sind Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre schon adult nach Deutschland gekommen.
Einige dieser uralten Wildfänge leben bei mir, erfreuen sich bester Gesundheit und sorgen jedes
Jahr für Nachwuchs. Es sind genauso terrestrisch lebende Tiere wie die übrigen
Terrapenearten, d.h. vieles, was in der Literatur über sie geschrieben wurde, ist schlichtweg
falsch.
Die Terrapene coahuila hat einen leicht hochgewölbten Rückenpanzer und ist von der Form
her lang und schmal. Die Farbe des Carapax ist grünlich braun bis dunkelgrau, bei jüngeren
Tieren oft mit einem ausgeprägten Muster, bei älteren Tieren mit verschwommenen dunklen
Flecken. Der Bauchpanzer ist individuell von einfarbig beige bis dunkel. Der Kopf ist schmal und mit einer
wunderschönen Zeichnung: von marmoriert bis zu einem aufwendigen gelblich-weißen
Muster. Diese Zeichnung setzt sich auch am Hals fort. Die Männchen wirken massiger als die
Weibchen und haben oft eine ausgeprägte Delle im Bauchpanzer. Die oft beschriebenen
Schwimmhäute zwischen den Zehen kann man vielleicht mit einer Lupe erkennen.
Diese Tiere haben mich bisher für alle Enttäuschungen, Rückschläge und
Dramen, die ich mit den anderen Terrapenearten erlebt habe, entschädigt und so kommt es nicht
von ungefähr, daß die meisten Dosenschildkröten, die ich pflege, coahuilas sind.

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Haltung
Die Tiere werden von mir von Mitte Mai bis Ende Oktober in einem Außengehege mit Zugang zu
einem beheizten Gewächshaus gehalten. In der restlichen Zeit des Jahres leben sie in einem
Wintergarten.
Der Wintergarten hat zwei Ebenen und auf der oberen, sonnigeren und wärmeren Ebene befindet
sich die Gehege der coahuilas. Das Gehege für die Weibchen ist ca. 4qm groß und mit
Wurzeln, Korkrinden und Moos sehr stark strukturiert und am hinteren Ende befindet sich eine
eingelassene Duschwanne. Sie dient aber ausschließlich zur Paarung und wird ansonsten von den
Tieren nicht benutzt. Die Duschwanne hat einen Wasserstand von 15-18cm mit einer Wassertemperatur,
die zwischen 24 und 28 Grad schwankt. Eine normale Wasserschüssel, die ebenfalls in dem Gehege
steht, wird von den Tieren ganz normal zum Baden benutzt. Die Coahuila-Männer haben in den
angrenzenden Gehegen die gleiche Einrichtung, aber natürlich keinen Sichtkontakt zu den Weibchen.
Bis auf einen aggressiven Mann kann ich alle zusammen halten.
Im Winter heize ich mit einem Umluftheizer, der Luft und Boden nicht austrocknet. Im Sommer wie im
Winter befinden sich zwei HQI-Leuchten über ihren Lieblingswurzeln, also im Wintergarten wie auch
im Gewächshaus. So betragen die Temperaturen im Sommer im Gewächshaus 30-38 Grad,
wobei sich die Tiere aber meinen Beobachtungen nach fast nur im Freiland aufhalten. Selbst bei
kühlsten Temperaturen sind sie draußen aktiv und immer auf Futtersuche. Im
Außengehege steht den Tieren außer der obligatorischen Wasserschüssel auch ein
kleinerer Teich zur Verfügung, den sie aber, außer für ein kurzes Bad, nicht nutzen.
Nach meinen Beobachtungen wählen die coahuilas, wenn sie die Wahl haben, ein terrestrisches
Leben und nichts spricht dafür, daß sie mehr wassergebunden sind als die anderen
Terrapenearten. Diese Beobachtung gilt, wie später beschrieben, auch für die
Schlüpflinge.
Im Winter von Ende November bis Januar betragen die Temperaturen im Wintergarten 15 bis 18 Grad in
der Kaltzone, in der Warmzone 20 bis 25 Grad. Dies bedeutet, daß sich die Tiere im Winter die
Temperaturen selbst aussuchen können.
Ich achte immer darauf, daß den Tieren sowohl im Sommer als auch im Winter trockene,
feuchte und sehr feuchte Plätze zur Verfügung stehen. Der Bodengrund Walderde, Sand,
Pinienerde und bemooste Stellen. Es wird täglich gesprüht, um eine ausreichende
Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten.
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Fütterung
Die Tiere können sich selbst versorgen, da sie in ihren Gehegen Kellerasseln, Spinnentiere,
Käfer und vor allem Heimchen, aber auch Würmer und Schnecken finden. Alle diese
Futtertiere vermehren sich selbständig und werden nicht mehr eingesetzt. Zusätzlich werden
die Tiere täglich mit Löwenzahn oder Romanasalat, ab und zu auch Endiviensalat,
gefüttert. Wobei dieses Grünfutter allerdings nur phasenweise von den Wildfangtieren
angenommen wird, bei den adulten Nachzuchttieren jedoch in etwa ein Drittel ihrer Nahrung
ausmacht. Im Mai/Juni lasse ich die ganze Nacht über eine einfache Glühbirne brennen, an der sich dann
viele Insekten, vor allem Käfer sammeln, welche die coahuilas am nächsten morgen fressen
können. Das Lieblingsfutter meiner Tiere sind Babymäuse, die insbesondere die Weibchen
auch täglich bekommen und kleine Krebse. Zweimal im Monat bekommen die Tiere
Schildkrötenpudding. An Obst verfüttere ich alle Arten von unseren heimischen Beeren,
hingegen Äpfel und Bananen äußerst selten. Bei diesem abwechslungsreichen
Futterangebot kann ich auf zusätzliche Mineralien oder Vitamine bei der Fütterung verzichten.
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Paarung
Eine ganzjährige Geschlechtertrennung ist einer der wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche
Zucht, denn man erspart den Tieren damit Streß und Aggressionen. Die Weibchen sind zwischen
Ende Februar bis Anfang Mai ca. 14 Tagelang paarungsbereit. D.h., ich muß herausfinden, wann
welches Weibchen paarungsbereit ist und es mit dem zu ihm gehörenden Mann zusammensetzen
und hoffen, daß auch er will (was aber in der Regel der Fall ist). Das Gehege der Weibchen wird nun
abgetrennt und ich setze das Paar in das verbleibende Stück mit Zugang zur Duschwanne. Das
Männchen wirbt nun um das Weibchen, läuft um es herum und geht immer wieder in die
Duschwanne oder versucht das Weibchen ins Wasser zu schieben. Hat das Männchen keinen Erfolg,
werden die Tiere wieder getrennt und ich versuche es mit einem anderen Paar. Sind beide Tiere
paarungsbereit, bleiben sie mehrere Tage im Wasser und vollziehen mehrfach die Paarung. Ich habe auch
schon Paarungsversuche und vollzogene Paarungen auf dem Land beobachten können, aber dies
waren Ausnahmen. Coahuilas paaren sich in der Regel im Wasser, wobei der Wasserstand um die 15cm
betragen sollte. Und nur in dieser Paarungszeit suchen die Tiere das tiefere Wasser und halten sich auch
darin auf, ansonsten nie. Vielleicht leben die Tiere in ihrem Ursprungsgebiet so versteckt, daß sie
immer nur zur Paarungszeit im Wasser beobachtet wurden. Dann sind sie natürlich auch
unvorsichtiger und leichter zu sehen und daher hielt man sie für
"Wasserdosenschildkröten".
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Eiablage
In der Regel legen die Wildfangweibchen zwei bis viermal zwischen 4 - 6 Eiern, die Nachzuchtweibchen
meist dreimal aber 6 - 7 Eier, mit 100% Befruchtung und 100% Schlupfrate. Das gibt es bei den anderen
Terrapenearten nie!
Meine Weibchen haben von Anfang an jeden Eiablageplatz angenommen. Und da ich recht viel mit den
Tieren experimentiert habe, bis ich endgültig von ihrer terrestrischen Lebensweise überzeugt
war, hatten sie viele immer wieder neue Eiablageplätze. Auch mit den damit verbundenen
Standortwechseln haben sie nie Probleme gehabt. War der Eiablageplatz noch nicht fertig, wurden die Eier
einfach unter einer Wurzel abgelegt. Ihr jetziger (und seit mehreren Jahren) endgültiger
Eiablageplatz besteht hauptsächlich aus feuchtem Sand mit etwas Erde gemischt. Alle Weibchen
legen immer an genau der gleichen Stelle ihre Eier ab, ohne Probegrabungen. Haben Sie gleichzeitig Eier,
wartet das rangtiefere Weibchen bis das ranghöhere fertig ist und legt meist kurz darauf seine Eier
an die gleiche Stelle, bisher ohne die Eier der anderen zu zerstören.
Die Eiablage erfolgt meist ab 17 Uhr und dauert bis zu vier Stunden. Dabei sollte man das Tier auf keinen
Fall stören. Das Weibchen gräbt nun ein kleines Loch, in das es seine Eier legt. Dabei benutzt
es seine Hinterbeine wie Schaufeln. Anschließend zieht es mit ihnen weite Kreise, um den
aufgeworfenen Sand auf die Eier zu geben. Zum Schluß festigt es das ganze mit kreisenden
Bewegungen, bis sich die Stelle nicht mal mehr erahnen läßt. Ich habe auch schon Tiere
beobachtet, die sich immer wieder zum Glätten und Festigen der Stelle über dieser hoch
stellten und sich dann richtig "darauf knallen" ließen.
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Inkubation
Die Eier sollten nun möglichst schnell ausgegraben werden, denn wenn man bis zum nächsten
Morgen wartet, besteht die Gefahr, daß die Eier entweder austrocknen oder daß sich schon ein
Keimling gebildet hat, der sich beim Ausgraben verdrehen könnte. Ich inkubiere die Eier in
Heimchendosen mit feuchtem Vermiculite im Verhältnis 1:1.
Die Dosen kommen nun in einen
Brüter nach Budde, die Wassertemperatur liegt zwischen 30 und 32 Grad. Nach 36 Tagen stelle ich
die Dosen in eine "Jäger-Kunstglucke", damit das Substrat etwas abtrocknen kann. Der
Schlupf erfolgt nach 48 bis 55 Tagen. Meist öffnen die Kleinen das Ei am Eipol und verlassen das Ei
dann nach wenigen Stunden.
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Aufzucht der Jungtiere
Die Schlüpflinge kommen zunächst in kleine Gefäße mit feuchtem
Küchenpapier, bis der Dottersack ganz eingezogen ist. Anfangs, als ich es noch nicht besser
wußte, setzte ich meine ersten Coahuila-Schlüpflinge in kleine Aquarien mit einem
Wasserstand von ca. 1cm und einem kleinen Landteil. Der Landteil bestand aus einem flachen Stein,
als Versteckmöglichkeit im Wasser dienten Wasserpflanzen. Ich machte folgende Beobachtungen:
die ersten Tage blieben die Tiere im Wasser, dort fraßen sie auch die angebotenen roten
Mückenlarven. Dann begann ich Kellerasseln zu füttern und die Tiere jagten und fraßen
sie im Wasser, aber immer öfter auch auf dem Landteil. Nach ein paar Wochen saßen die
Tiere fast nur noch auf dem Landteil, auf dem zwischenzeitlich auch die Wasserpflanzen lagen, so
daß sich die Kleinen unter ihnen auch an Land verstecken konnten. Also baute ich
größere Landteile mit Erde und Moos und konnte nun beobachten, daß sich das sich
das Leben der Tiere nur noch auf diesem Landteil abspielte. Nun schlüpften die nächsten
6 Babys und ich setzte ich gleich in Aquarien mit noch größerem Landteil. Wieder machte
ich die gleichen Beobachtungen, nur mit dem Unterschied, daß, mit der Möglichkeit sich
einzugraben, selbst die frisch geschlüpften Tiere sofort aus dem Wasser auf Land gingen und
sich eingruben. Nach diesen Beobachtungen habe ich seit 2000 die kleinen Coahuilas von Anfang
an wie alle übrigen Terrapenebabys großgezogen.
Also setze ich die Schlüpflinge in kleine Aufzuchtbecken mit Pinienerde und Moos. Diese Aufzuchtbecken stehen bei
mir in einem geschlossenem Terrarium, zum einen schützt dies vor Zugluft, zum anderen
gewährleistet dies eine gleichbleibend hohe Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit. Die
Aufzuchtbecken werden mindestens einmal täglich mit warmen Wasser übersprüht,
dabei ist zu beachten, daß es auch trockene Stellen gibt, auf denen sich die Babys ganz trocknen
können. Kleine Spotstrahler oder Halogenlämpchen dürfen auf keinen Fall fehlen,
wichtig sind auch mehrere Badeschälchen. Die Tagestemperaturen liegen zwischen 28 und 38
Grad, nachts fallen die Temperaturen auf 20 Grad zurück. Es gibt keine gierigeren und
zutraulicheren Babys. Ich liebe diese kleinen Terrapenebabys über alles und könnte
ihnen stundenlang zuschauen.
Sobald es die Witterung erlaubt, bringe ich die Kleinen nach draußen in die Sonne, denn die
natürlichen UV-Strahlen sind extrem wichtig für die Gesundheit und gutes Wachstum.
Die Kleinsten kommen in mit Erde und Sand gefüllte Plastikwannen, die größeren
in kleine, ausbruchssichere Gehege. Natürlich müssen den Tieren genügend
Schattenplätze zur Verfügung stehen und man muß darauf achten, daß sich
die Wannen nicht zu sehr aufheizen. Auch die Gefahr, die von Vögeln, Katzen oder Mardern
ausgehen könnte, sollte man bedenken und darum immer engmaschige Netze über die
Wannen oder Gehege spannen.
Die Aufzucht der kleinen coahuilas ist wie die der bauris weitaus einfacher als die der anderen
Terrapene. Sie sind kaum streßempfindlich, so daß man problemlos mehrere Tiere
zusammenhalten kann. Im Gegenteil, durch Futterneid kann man sie recht schnell an jedes Futter
gewöhnen. Schon nach einer Woche betteln die Kleinen um Futter und fressen schon halbe
Babymäuse. Zusätzlich bekommen sie natürlich Kellerasseln, kleine Würmer
und Schnecken. Auch Grünfutter wie Löwenzahn und Romanasalat sollten von Anfang an
angeboten werden, auch dies fressen sie spätestens nach einer Woche problemlos.
Von Rinderherz, Mehlwürmern oder Wachsmaden rate ich ab, denn dieses Futter ist zwar bequem,
aber viel zu fett und Mehlwürmer fressen sogar die Babys an! Besser ist Beo-Futter, denn es
enthält getrocknete Insekten, Beeren und Haferflocken und wird von den Tieren gerne
angenommen, wenn im Winter mal das Lebensfutter ausgehen sollte. Ein weiteres
"Notfall-Futter" ist auch Sera Raffy P, aber öfter als 2mal im Monat sollte es nicht
verfüttert werden.
Im November /Dezember graben sich die Jungtiere oftmals über mehrere Wochen selbst ein.
Dann sollten die Temperaturen auf 15-20 Grad gesenkt werden und die Tiere nicht mehr gestört
werden. Es ist grundsätzlich stressig für die Tiere, wenn man sie immer wieder
ausgräbt, um sicher zu gehen, daß sie in Ordnung sind. Anfänger machen diesen
Fehler oft, sie sollten mehr Geduld haben, denn wenn die Tiere Hunger haben, kommen sie von selbst.
Vorsicht jedoch vor Überfütterung, zu schnell wachsende Tiere bleiben zu flach; bei
solchen Tieren ist restriktive Fütterung angesagt.
Wenn man all diese Ratschläge befolgt, wird man feststellen, daß die Tiere zwar langsam,
aber glatt und gesund wachsen.
Und noch eine Anmerkung an dieser Stelle: Da ich jedes Jahr ziemlich viele coahuila Nachzuchten
habe, sind es mittlerweile über 20 Nachzuchten, die ich selbst großziehe und weitaus mehr,
die ich schon abgegeben habe, aber noch nie hat mir eines der Tiere Probleme gemacht und noch kein
einziges ist gestorben. Und auch von den übrigen Haltern habe ich das, abgesehen von einem
Unfalltod, noch nie gehört. Das ist sicher kein Zufall, sondern spricht für die Stabilität
dieser Tiere. Das kann ich von den anderen Arten, abgesehen von den Terrapene c. bauris, nicht behaupten.
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